Wer sich mit der Wärmewende beschäftigt, denkt oft zuerst an Wärmepumpen in Gebäuden, an Solarthermie oder an tiefe Geothermie. Dass aber ausgerechnet unsere Flüsse, Seen und sogar manche Kanäle ebenfalls eine Rolle spielen können, fällt vielen erst auf den zweiten Blick auf. Dabei liegt es eigentlich nahe: Wasser hält Wärme erstaunlich gut zurück. Selbst wenn die Lufttemperaturen stark schwanken, bleibt in den Gewässern über das Jahr hinweg ein beträchtlicher Teil der gespeicherten Energie erhalten.

 

Und genau hier setzt die hydrothermale Nutzung an. Mit technischen Systemen – Wärmetauschern und Großwärmepumpen – kann ein Teil dieser natürlichen Wärmemenge entzogen und für die Versorgung von Gebäuden oder ganzen Quartieren genutzt werden. Für Städte, die ohnehin vor der Aufgabe stehen, große Wärmemengen klimaneutral bereitzustellen, eröffnet das eine zusätzliche Option.

 

Warum Oberflächengewässer als Wärmequelle relevant werden

Wärme aus Gewässern zu nutzen, wirkt auf den ersten Blick ungewohnt, ist aber technisch ausgereift und vielerorts bereits erprobt. Wasser reagiert träge auf kurzfristige Temperaturschwankungen und verfügt über relativ konstante Jahresmitteltemperaturen. Mit Wärmetauschern und Großwärmepumpen kann diese latente Energie entzogen und auf ein nutzbares Temperaturniveau angehoben werden; für Nah- und Fernwärmenetze ebenso wie für größere Einzelobjekte.

 

Während andere erneuerbare Wärmequellen in dicht bebauten Gebieten häufig an räumliche Grenzen stoßen, existieren Oberflächengewässer bereits in der Nähe urbaner Verdichtungsräume. Diese Standortnähe reduziert Leitungsverluste und erleichtert die Integration in bestehende Infrastrukturen.

 

Gleichzeitig bleibt zu  bedenken, dass Flüsse und Seen nicht nur Energiespeicher, sondern auch sensible Ökosysteme sind. Jede Form der Nutzung muss daher hydrologisch, ökologisch und wasserrechtlich geprüft und mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden.

 

Berlin: Hydrothermale Potenziale systematisch bewertet

Berlin ist eine wasserreiche Stadt. Spree, Havel und Dahme durchziehen die Hauptstadt auf fast 90 Kilometern, dazu kommen Kanäle, Nebengewässer und zahlreiche Seen. Eine hydrothermale Nutzung ist aufgrund der kurzen Wege zu den Gewässern an vielen Stellen möglich.  

 

Auch andere Städte wie beispielsweise Leipzig untersuchen die Möglichkeiten der hydrothermalen Energienutzung, häufig sehr detailliert. Als Besonderheit ist hier die Nutzung der gefluteten Tagebaurestlöcher wie dem Cospudener See, Störmthaler See und Markkleeberger See denkbar. Eine Nutzung der Wärme im Winter verringert dabei eine ungewollte starke Erwärmung im Sommer.  

 

Ökologische und rechtliche Rahmenbedingungen

Auch wenn die Idee technisch überzeugend ist, lässt sich Wärme aus Gewässern nur nutzen, wenn die ökologischen Vorgaben eingehalten werden. Das Wasserhaushaltsgesetz setzt hier klare Grenzen, etwa was die natürliche Wasserführung oder die zulässigen Temperaturveränderungen betrifft. In Schutzgebieten oder Bereichen mit Natura-2000-Status gelten zusätzlich besonders strenge Anforderungen. Entscheidend ist außerdem, wie das abgekühlte Wasser wieder eingeleitet wird, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stören.

 

Damit ein Projekt überhaupt genehmigungsfähig ist, müssen Wasserbehörden, Naturschutz und Energieplanung früh und eng zusammenarbeiten. Erst dann lässt sich beurteilen, ob eine Nutzung am jeweiligen Standort verantwortbar ist.

 

Die Rolle der AKVO GmbH

Als Fachbüro für Hydrologie, Hydrogeologie und Umweltplanung begleitet die AKVO GmbH Projekte zur hydrothermalen Energienutzung mit fundierter Expertise. Dazu gehören:

 

  • Analyse hydrologischer und wasserwirtschaftlicher Randbedingungen
  • Modellierung von Temperatur- und Wasserhaushaltsprozessen
  • Bewertung ökologischer Auswirkungen
  • Auswertung von Messdaten und Erstellung fachlicher Gutachten
  • Unterstützung bei Genehmigungsprozessen
  • Integration von Potenzialdaten in Wärmeplanungs- und GIS-Systeme

 

Gerade bei der Abwägung zwischen technischer Machbarkeit und ökologischen Anforderungen bringt AKVO wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Perspektiven ein.

 

Fazit: Ein wichtiger Baustein der urbanen Wärmewende

Oberflächengewässer bieten ein oft unterschätztes Wärmepotenzial, das viele Städte künftig stärker nutzen werden. Die Beispiele aus Berlin und Leipzig zeigen, dass hydrothermale Systeme technisch machbar und ökologisch tragfähig sind — sofern sie sorgfältig geplant und wissenschaftlich begleitet werden.

 

Die systematische Bewertung der Potenziale, die Einbindung in Wärmekataster und die Weiterentwicklung von Gewässermodellen schaffen dafür die notwendigen Grundlagen.

Mit ihrer Arbeit trägt die AKVO GmbH dazu bei, diese Chancen verantwortungsvoll und nachhaltig zu erschließen und  damit die kommunale Wärmeversorgung Schritt für Schritt 

klimaneutral zu gestalten.